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Geschichten aus dem Motorradsattel

Top 16 – Tag 10: Die Hitze ist da

Th├╝ringen – Hessen

blau: geplant (203 km, 03:15 h)
rot: gefahren (228 km, 03:25 h)

Da ich hier auf dem Campingplatz kein Netz habe, k├Ânnte ich leider nichts organisieren. Das ist auf bisher jedem zweiten Campingplatz so gewesen, deshalb h├Ąnge ich mit dem Blog auch hinterher. Spricht f├╝r sich auf einer Deutschlandreise. Eigentlich wollte mein Vater heute nochmal mitfahren, doch daraus wird deshalb nichts.

Ganz in Ruhe packe ich meinen Krempel, fr├╝hst├╝cke und fahre um 11:30 Uhr ab. Heute steht auch keine allzulange Fahrt an.

Zur Wasserkuppe in Hessen komme ich in etwa 45 Minuten. Gestern war ich schlie├člich auch schon fast da. Bis auf eine Vollsperrung, die ich nicht ganz erlaubt ├╝ber einen Feldweg umgehe, ist die kurze Tour sch├Ân zu fahren.

Bis zur letzten Kurve vorm Parkplatz war ich die letzten 10 Tage mehr oder weniger alleine unterwegs. Hier bin ich auf einmal nur noch einer von vielen. Auch das viele Gep├Ąck oder das fremde Kennzeichen scheint niemanden zu st├Âren. So Reihe ich mich zu den vielen anderen Motorr├Ądern ein.

Der Berg ist komplett touristisch erschlossen. Neben der regelrechten Fressmeile gibt es auch einen Segelflugolatz, der nat├╝rlich ein Museum hat. Ich lasse jedoch alles links liegen und gehe zum Gipfel. Ich bin schlie├člich nicht zum Spa├č da.

Bis dahin sind es noch ca. 15 Minuten Fu├čweg. Zwischen dem ganzen Tohuwabohu ├╝bersehe ich die Gipfelmarkierung und laufe noch weiter. Eine Info-Tafel muss mir helfen. Es scheint sich sonst niemand um den Stein zu k├╝mmern, er ist auch nicht gerade aufsehenerregend.

Nach dem Foto gibt es doch eine St├Ąrkung vom Imbiss. Ein paar Benzingespr├Ąche sp├Ąter schwinge ich mich in den Sattel Richtung Edersee. Den Campingplatz k├Ânnte ich bisher nicht erreichen.

Genervt von Baustellen rund um Fulda k├╝rze ich ├╝ber die Autobahn ab. Der konstante Fahrtwind ist bei 35┬░C nach Bordcomputer ein willkommenes Geschenk.

Wieder ├╝ber Land unterwegs, durch die R├Âh und da hessische Bergland, klettern die Temperaturen bis auf 37┬░C. Sp├Ątestens alle 30 Minuten muss ich eine Pause einlegen. Zum Gl├╝ck hab ich f├╝r heute keine gro├če Etappe geplant.

Ich tauche einfach so, ohne Anmeldung, beim Campingplatz auf, schon mit dem Gedanken eine weitere Stunde herumzufahren und einen Platz zu suchen. Unerwartet passt es schon beim ersten Versuch.

W├Ąhrend ich mein Zelt bei einem wunderbaren Ausblick auf den See aufbaue, f├Ąllt mir auf, dass ich vor 2 Jahren schon mal auf diesen Platz war. Es muss mir hier gefallen haben, wenn mich mein Unterbewusstsein wieder hier her lenkt. Im See ist im Sommer nur kein Wasser, das wird in den Fluss entlassen, um die Felder zu bew├Ąssern.

Die t├Ągliche Routine beginnt wieder. Abends schlie├če ich mich noch einer Gruppe Medizin-Studenten an. Sie sind in der Lernphase f├╝r Staatsexamen und wollten eine Pause nehmen. Mit den Resten meiner Schupfnudel-Pfanne konnte ich mich einschleimen. Sie kommen aus NRW, meinem n├Ąchsten Ziel, und diskutieren, dass doch der Kahle Asten der h├Âchste Berg sei. Doch mit dem Langenberg behalte ich Recht.

Der Himmel ist hier so klar, das sie mir alle sichtbaren Planeten und Sternenbilder nennen k├Ânnen. Sie haben gestern schon alles nachgeschaut.

Campingplatz

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