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Geschichten aus dem Motorradsattel

Grünes Band – Tag 9: Bestes Grenzmuseum bisher

Geschrieben von: Josch

Ich werde morgens von der Sonne geweckt, die das Zelt schon ordentlich aufheizt. Nach dem morgendlichen Kaffee-Ritual packen wir alles zusammen und fahren los. Das Frühstück wird später nachgeholt. Wir sind sowieso noch satt von gestern Abend. Heutiges Etappenziel ist mit den angedachten 50 Km Walkenried kurz vorm Harz.

Wir fahren den Berg vom Campingplatz wieder runter. Berg auf – Berg ab – Berg auf. Dann sind wir nach 40 Minuten schon am Grenzmuseum von Eisleben, einer ehemaligen Grenzübergangsstelle.

Oben am Berg, wo wir ankommen, steht noch ein alter Wachturm. Die Austellung ist unten im Tal. Die Strecke bis bis dorthin steht noch alles original – bis auf die Minen und Selbstschussanlagen versteht sich.

Während wir runterfahren fällt mir ein, dass ich schon einmal hier war. Mein Opa kommt ursprünglich von hier, ist aber noch vor der Grenze schon geflohen. Vor ein paar Jahren habe ich das Museum bei einem Familientreffen schon besucht. Wir schaffen es geschlagene 3 Stunden in der Ausstellung zu verbringen. Falls ihr hier Mal vorbeikommt, ruhig anhalten. Es lohnt sich.

Bevor wir weiterfahren, gucke ich noch nach Campingplätzen am Etappenziel Walkenried. Es sieht jedoch eher dünn aus. Im Ort gibt es nur einen KNAUS-Platz, dort wird es wohl ohne Corona-Test schwierig. An einem Testzentrum kommen wir auch nicht mehr vorbei. Nur in Duderstadt gäbe es noch einen einen Termin. Der ist aber abends, da müssen wir schon angekommen sein. Fragen, ob ein Selbsttest reicht können wir auch nicht. Auf dem Platz ist noch Mittagspause.

Kurz nach 14:00 Uhr fahren wir weiter. Viel von der heutigen Strecke haben wir noch nicht geschafft. Direkt zu Beginn geht es einen Berg auf dem Kolonnenweg hoch. Auch noch die Variante mit Längsgitter, schlimmer geht es nicht. Nach einem Stück den Bergkamm entlang, holen wir unser Frühstück nach… um 15:00 Uhr. Jetzt bekomme ich auch den Campingplatz ans Telefon und unsere Vermutung bestätigt sich: Ein Selbsttest vor Ort reicht nicht. Zum Glück finden wir einen Ort weiter noch einen 1nitetent-Platz, nur 5 Km mehr. Der Gastgeber hört sich freundlich an. Er sei selber noch bis spät Arbeiten, wir sollen dann einfach in den Garten durchgehen. Wir würden schon sehen wo das ist, da seien dauern welche. Er warnt uns auch noch davor die Höhenmeter von Duderstadt aus nicht zu unterschätzen. Dusche und Toilette sind da, Strom können wir auch bekommen. Da sind wir doch gespannt, was uns dieses Mal erwartet.

Vom Rest der Etappe gibt es nichts spannendes zu berichten. Es geht wieder viel hoch und runter. Bis auf ein paar einzelne knackige Steigungen, aber keine große Herausforderung. Anders als am Vortag sind wir viel auf Feld- und Waldwegen unterwegs. Die ein oder andere unbenutzte Landstraße ist auch dazwischen.

Das letzte Stück Richtung Harz geht dann doch über eine viel befahrene Straße, immer schön stetig bergauf. Eine Motorradgruppe nach der anderen kommt uns entgegen. Kein Wunder, es ist Wochenende und die Sonne scheint. Gegen eine Motorradtour durch den Harz hätte ich auch nichts. Ich bin dieses Jahr noch gar nicht wirklich zum Fahren gekommen, bis auf die Alltagswege. Nach dem morgigen Tag wird das aber wahrscheinlich reichen mit Harz für dieses Jahr.

Bevor es wieder steiler wird machen in einem Dorf Pause. Es war den ganzen Tag zu warm und unsere Wasservorräte neigen sich langsam dem Ende zu. Wir belauschen den neusten Dorf Klatsch. Direkt neben uns scheinen sich alle Bewohner zu versammeln: Einer steht im Vorgarten, einer vorm Gartentor, der nächste sitzt in Auto. Dabei kommen immer noch Leute dazu, die auf der Straße anhalten und sich aus dem Auto mit unterhalten. „Bringst du mir noch ne TV-Zeitung vom Edeka mit? Fürs Kreuzworträtsel“ – „Der hat doch schon seit 14 Uhr zu“. Es ist mittlerweile kurz vor 17 Uhr. Etwas zum Einkaufen zu finden ist tatsächlich schwierig auf der Route. Während wir wieder aufbrechen, hält noch ein Auto an und gesellt sich dazu.

Als dann auch die letzten Höhenmeter geschafft sind, kommen wir an einem ehemaligen KZ raus. Mehr als eine kleine Info-Tafel „Hier war Mal ein KZ“ gibt es aber nicht. Bevor wir zu Olaf fahren, gehen wir noch fix Einkaufen. Danach suchen wir die Hausnummer. Ein Mädchen, das auf der Straße Fußball spielt kommt direkt auf uns zu: „So you wanna camp here? 1nitetent?“. Sie scheinen wirklich gut besucht zu sein. Sie bringt uns in den Garten, wo wir ein riesen Grundstück vorfinden. Es gibt sogar ein Trenn-Toilette in einem alten Bauwagen und eine selbstgebauten Außendusche mit Gasheizung für warmes Wasser.

Während wir unser Abendessen kochen, schauen wir uns den Wetterbericht an. Fetter Regen aus Westen mit Gewittern soll über das ganze Land ziehen. Hoffentlich erwischt es uns nicht zu schlimm. Der Gastgeber Olaf kommt auch noch auf einen Plausch vorbei. Er bietet das Übernachten in seinem Garten schon seit ein paar Jahren an, da er selber gerne unterwegs ist. Manchmal können sich die Reisenden hier noch die Hand geben. Er kann uns noch etwas mehr zum KZ erzählen. Die Insassen haben die Höhle für Wernher von Braun gebaut, der hier in der Nähe an der V2-Rakete gearbeitet hat. Einen Tipp für unsere Route hat er auch noch. Wir sollen lieber Richtung Braunlage fahren. Der Weg ist soll deutlich flacher sein. Den Anstieg auf unserer Route würden wir mit dem Lasti niemals hoch kommen. Die Spätzle mit Rotkohl und Schnitzel sind Mal wieder viel zu viel. Mit vollem Bauch legen wir uns hin. Morgen gilt es die letzten Berge der Tour zu bewältigen.

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