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Geschichten aus dem Motorradsattel

Grünes Band – Tag 8: Gleich am Anfang schwitzen

Geschrieben von: Mark

Als ich morgens das Zelt öffne, setze ich mich in den Stuhl und genieße die Aussicht. Alles passt: Gutes Wetter, der Campingplatz schlummert noch und dann der Blick auf die Berge rund um Ahrenberg. Beim Kaffee besprechen wir den heutigen Plan: Erst zum Grenzmuseum Schifflersgrund, da es nur ein paar Kilometer entfernt liegt und dann Richtung Duderstadt. Die Campingplätze dort sind mal wieder rar – Die nächsten und letzten Berge sind der Harz und wir wollen nicht die gleiche Selbstüberschätzung, wie zu Anfangs in Bayern an den Tag legen. Mit drei ca. 50 km Tagesetappen wären wir über den Harz und wären noch im Zeitplan, wenn wir im „Flachland“ wieder Kilometer machen – Also fällt die Wahl auf einen Campingplatz bei Nesselröden.

Wir brechen gegen 10:30 Uhr zum Grenzmuseum auf – sind ja nur ein paar Kilometer. Wir machen einen extra Umweg über Eine Teerstraße, da wir die deutlich kürzere Strecke, über den alten Kolonnenweg meiden wollen. Den Anstieg den wir darauf gestern kurz vor dem Campingplatz gesehen haben, wäre für das Lasti zu steil. Es geht auf Teer gut bergauf, aber bis dahin schaffbar. Aber dann schauen wir auf die Abzweigung auf den Kolonnenweg. Er ist an dieser Stelle immer noch so steil. Dies konnten wir von unten aus nicht sehen. „Versuch macht klug – Anlauf, 1. Gang und E-Motor auf höchste Stufe. Es geht langsam bergauf, jedoch nicht lange – Ich muss wegen Gestrüpp nach links lenken und gerate in eine der vielen Gitterlängstfugen der Betonplatten. Das war zu viel Widerstand. Ich muss vom Sattel – und komme im Anschluss leider an dieser Stelle nicht mehr rauf. Die Steigung in Verbindung der Beschaffenheit des Kolonnenweges macht ein Antritt unmöglich. Tolle Bilanz: Nach nicht mal 1km schieben – zu zweit in der prallen Sonne. Es geht den Kolonnenweg immer weiter nach oben, wir brauchen mehrere kurze Pausen, bis wir auf der ersten Anhöhe mit einem Aussichtsturm sind. In den Pausen überholen uns immer wieder die gleichen zwei Wanderer.

Auf den Aussichtsturm wollen wir natürlich herauf: Hat ja genug Schweiß gekostet. Die Wanderer sahen irgendwie entspannter aus. Es ist 11:25 als wir den Turm erklimmen. Der Aufstieg gestaltet sich aus zwei leiterartigen Treppen – definitiv nichts für Leute mit Höhenangst. Oben angekommen haben wir ein zweigeteiltes Bild: In der einen Richtung meinen Blick von heute Morgen nur noch viel weiter. In die Richtung wohin wir wollen: Der Kolonnenweg, den wir bis zum Grenzmuseum noch fahren müssen – Eine Senke und noch einmal ein starker Anstieg am Ende mit einer Linkskurve, hinter der wir nicht weiterschauen können. Nach kurzem Verschnaufen geht es wieder nach unten – rückwärts, wie von einer Leiter. Ein Müsliriegel muss noch kurz sein und dann weiter auf dem Kolonnenweg.

In der Abfahrt überholen nochmals die beiden Wanderer. Dann geht es wieder bergauf, jedoch auch für mich noch fahrbar. Als zusätzliche Schwierigkeit kommt aber noch Schotter dazu, der es irgendwie auf den Weg geschafft hat. In der Linkskurve ist jedoch leider wieder Sense, da es zu steil ist. Josch muss mir erneut helfen. Wir müssen beide aufpassen beim Hochschieben nicht auf dem Schotter auszurutschen.

Endlich oben am Grenzmuseum angekommen, werden wir auch schon von einem Radfahrerpaar begrüßt. Das Lasti ist wieder Thema. Die Frau ist etwas wortkarg, Ihr Mann gleicht dieses umso mehr aus. Nach dem Geschiebe ist mir eigentlich nicht gerade so nach Klönschnack gewesen. Wir parken die Räder und gehen zum Foyer. Dort wieder das Radfahrerpaar, von dem der Mann den jungen Kassierer Fragen zum Leben in der DDR stellt und sich diese gleich halb selbst beantwortet. Irgendwie nervig, aber was solls – nur wundern, nicht aufregen.

Wir besuchen erst einmal die Ausstellung, welche in mehreren Stationen in unterschiedlichen Gebäuden aufgeteilt ist. Einiges ist Wiederholung, da wir ja schon Vieles an anderen Orten gesehen haben, aber es wird nicht langweilig. Als wir uns die Beiträge von damaligen Sperrzonenbewohnern anhören, steht die Frau von dem Radwanderpaar hinter uns und fängt an zu erzählen: Sie hat ihre Jugend ebenfalls hier in der Nähe in der Sperrzone verbracht und ist ein paar Jahre vor der Wende mit ihrem damaligen Mann geflüchtet. Es war spannend mit einer Zeitzeugin zu sprechen. Ich glaube es musste einfach mal aus ihr raus.

In dem letzten Ausstellungsteil wurde auch das „Grüne Band“ und dessen Nutzung thematisiert – Hier wird uns noch einmal deutlich, dass wir auf einer Tour unterwegs sind, die es für das Fahrrad offiziell noch gar nicht gibt. In ein paar Jahren wird es aber sicherlich soweit sein.

Auf dem Außengelände schauen wir uns nochmals die Grenzbefestigungen und unterschiedlichen Fahrzeuge an. Weiter hinten konnten wir noch sowjetische Hubschrauber und Panzer besichtigen. Zu guter Letzt gab es noch eine gesonderte Ausstellung zum Bundesgrenzschutz und dessen Geschichte.

Es ist 13:52 Uhr, als wir vom Museum losfahren – ganz schön spät, dieses Geschiebe hat uns ganz schön Zeit genommen. Ein Glück geht es jetzt steil bergab über Serpentinen hinunter Richtung Werra. Meine Rollenbremsen werden es mir mal wieder danken. Nun ein kleines déjà vu, die Route geht nochmal am Campingplatz vorbei bevor es für den Tag so richtig losgeht.

Bis Werleshausen sind es etwa 15 Kilometer, welche wir sportlich abfahren, da sie nahezu eben sind. Es geht immer an der Werra entlang. Dann geht es mal wieder von 170 auf 400 Höhenmeter bergauf – Mittlerweile Routine. In gut 2 Std. Haben wie 30 km hinter uns gebracht. In Ahrenshausen machen wir die erste Pause, da es im Dorfkern eine gemütlich aussehende Sitzgruppe gibt. Wir bemerken, dass es nebenan eine Apotheke gibt. Da unser Schmerzgel ausgeht, besorge ich Nachschub – Familienpackung natürlich.

Es geht weiter – etwas mehr als 20 km sind noch zu fahren und die werden wieder bergiger. Nach zwei Berg- und Talfahrten ist wieder eine Stunde um und wir machen kurz hinter Mengelrode nach ca. 40km Pause, damit das Gesäß nicht leidet. Es gibt nichts Interessantes zu berichten, außer das Landstraße ohne Fahrradweg nicht wirklich Spaß machen, längere Zeit zu fahren – immer hintereinander, man versteht sich nicht, obwohl man sich wiederholend anbrüllt und man regt sich über die Autofahrer auf, die viel zu dicht überholen. Es ist 17:00 Uhr, wir sind sehr gut in der Zeit. Hoffentlich nerven wir die Campingplatzbetreiber nicht, wenn wir doch schon eine Stunde früher da sind.

Ich dachte, dass es jetzt bis zum Schluss bei Landstraße bleibt, aber auf den letzten Kilometern geht es doch noch auf die Feldwege, und das ebenfalls mit Anstiegen. Kurz vor der letzten Abfahrt machen wir noch einmal Pause, weil die Aussicht so schön ist und ja, unser Gesäß mal wieder vom Sattel kommen muss.

Die Abfahrt frisst noch einige Kilometer und dann, sagt Josch: „Hier noch links abbiegen, dann sind wir auf der Straße zum Campingplatz“. Das klingt doch gut, aber dass der Campingplatz auf so einer Bergkuppe liegt, hätte ich nicht gedacht. Gut, dass das Lasti noch genug Restkilometer zeigt. Oben angekommen, dauert es nicht lang bis der Betreiber mit uns den Check in durchführt. Während wir auf Joschs Selbsttestergebnis warten, bauen wir schon auf. Später beim Bierkauf gibts dann noch Klönschnack mit dem Betreiber: Autos, E-Mobilität und erneuerbare Energien sind Thema. Nach einem Bier wird geduscht und danach gekocht: Es gibt die Lieblingskinderladenspezialität Risi Bisi, mit extra viel Käse, da wir keine kleinere Reibekäsepackung bekommen haben.

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2 Kommentare

  1. Wolfgang 3. September 2021

    Das Grenzmuseum sieht interessant aus. Die Fahrzeuge stehen noch ziemlich gut da, man merkt dass es alles noch garnicht so lange her ist…

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