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Geschichten aus dem Motorradsattel

Grünes Band – Tag 7: kein Fluss-Radweg?!

Geschrieben von: Josch

Das Ziel für heute ist: Einmal die 100 Km knacken. Vor uns liegt nur der Werra-Radweg. So gut wie flach, sogar eher die ganze Zeit bergab. Wir kommen auch tatsächlich Mal früh aus dem Bett, Kaffeekochen, schnell alles zusammen packen, Frühstück wird ausgelassen und um 09:30 Uhr fahren wir los.

Nach der ersten Stunde Fahrt kommen wir durch Herleshausen. Ich kenne mich hier etwas aus, da mein Vater mal in der Gegend gewohnt hat. So lotse ich uns zum Bäcker, das Frühstück nachholen. Beim Kaffee und Brötchen entscheiden wir uns, das morgens öfter so zu machen. Lieber früh los, schon mal in den Tritt kommen, und sobald das Hüngerchen kommt, wird gefrühstückt.

Nach der nächsten 3/4 Stunde Fahrt halten wir an einer kleinen Kapelle bei Creuzburg. Es ist kurz vor 12:00 Uhr und wir haben schon 30 Km auf der Uhr. Eine Bilanz von der wir in den letzten Tagen nur träumen konnten. Es gibt einen Müsliriegel, dann wird weitergefahren.

Ab hier ändert sich endlich die Umgebung ein bisschen. Statt dem breiten Tal mit mit Feuchtwiesen links und rechts vom Fluss, sind wir nun eher in einer Schlucht, wo der Fluss fast das ganze Tal einnimmt. Immerhin wieder etwas mehr zum gucken. Im Örtchen Falken machen wir den nächsten größeren Stopp. Beim Essen entdecke ich einen Sticker von Zweien, die dieses Jahr auch das Grüne Band abfahren. „Nach der Kurve wird’s flacher…“ – Ja, darauf sind wir auch schon oft genug reingefallen.

Wir fahren weiter bis Wanfried. Die Strecke bleibt unspektakulär, bis auf einen Stein, der an die ehemalige Grenze erinnern soll. Unseren Hintern müssen wir aber Mal eine Pause geben. Fast 70 Km haben wir bereits gemacht. Unser Tagesziel rückt in greifbare Nähe.

Ab hier sind auch wieder deutlich mehr Radfahrer unterwegs, die meisten sind aber wohl nur auf Tagestouren. Leute mit viel Gepäck sehen wir zwar auch mehr als sonst, es bleiben in der Masse trotzdem wenige.

In Eschwege habe ich ein paar Dinge zu erledigen. Also fahren wir einmal quer durch die Innenstadt. Ein neues Ladegerät fürs Handy und eine frische Gaskartusche sind schnell gefunden. Danach fahren wir wieder an der Werra entlang. Hier finden wir ein Hanf-Feld nach dem Nächsten. Vereinzelt sind wir schon an dem ein oder anderen Feld vorbeigefahren, aber hier steht eins nach dem anderen. Von den älteren Radfahren hört man: „Weißt du, was für komische Pflanzen das sind?“ – „Ne, weiß ich auch nicht.“ Von den Jugendlichen: „Ey, lass unsere Taschen voll machen!“. Später recherchiere ich, warum es hier so viel davon gibt. Ich finde den WerraHanf-Verein, der den Hanf- und Mohnanbau im Werratal etablieren möchte. Für so alles, was man damit machen kann: Öl, Futtermittel oder als Baustoff. Bei dem Päusschen telefoniere ich noch mit dem Campingplatz in Bad Soden-Allendorf: Alles kein Problem.

Auf den letzen 20 Kilometern wird uns so richtig langweilig. Zu eintönig ist der Weg am Fluss entlang. Im großen und ganzen gibt es immer das gleiche zu gucken. Kein Museum, was man sich angucken kann. Das Thema „Grenze“ rückt heute in den Hintergrund. Der Gedenkstein soll heute der einzige Berührungspunkt mit der Grenze bleiben.

Kurz vorm Ziel bekommen wir noch ein paar Höhenmeter ab. Wir wollen noch kurz Einkaufen fahren – Berg wieder runter. Doch vor der Brücke ist alles abgesperrt, wegen irgendeiner Veranstaltung – Berg wieder rauf und zu einer anderen Brücke. Jetzt wird es doch knapp noch rechtzeitig am Campingplatz anzukommen. Wir erledigen den Einkauf im Schnelldurchlauf und düsen weiter, wieder den Berg hoch.

Kurz vor 20:00 Uhr kommen wir noch an. 101 Kilometer haben wir gemacht. Ziel erreicht. Nachdem wir unsere Zelte aufgebaut haben, kommt ein älteres Radler-Pärchen auf uns zu. Das Lasti ist ihnen beim Ankommen aufgefallen. Wie es der Zufall so will, fahren sie auch das Grüne Band, nur in die andere Richtung. Wir tauschen gegenseitig die Erfahrungen aus, was Strecke, Campingplätze und Supermärkte angeht und beschweren uns beide über die Befahrbeikeit vom Kolonnenweg. Es soll auch im Norden nicht besser werden mit der Infrastruktur. Einen Wehrmutstropfen können sie uns aber geben: Sie sind bis hier 1,5 Wochen unterwegs gewesen. Das passt noch in unseren Zeitrahmen, obwohl wir weniger Kilometer machen als gedacht. Wir diskutieren noch, ob der Harz nun schlimmer sei als der Teil durch Bayern. Dabei sagt er: „Wir haben uns ja alle bewusst gegen einen Fluss-Radweg entschieden“. Damit hat er Recht und heute haben wir gemerkt, dass das auch gut so ist.

Wir kochen uns Champignon-Rahm-Geschnetzeltes mit Kartoffeln. Mal wieder so viel, dass wir in zwei Etappen Essen müssen. Kurz vorm Schlafen geht mir meine Matratze zu sehr auf den Keks. Wären wir nur noch ein paar Tage unterwegs, würde ich es durch stehen. Doch noch 12 Tage quasi auf dem Boden schlafen, macht mein Rücken auch nicht mit. Ich bestelle nachts noch eine Neue Luftmatratze, damit sie auch passend bei Oli ankommt, wenn wir da sind. Nachdem wir den Harz überquert haben, wollen wir wieder bei ihm in Badersleben Station machen. Ich puste die kaputte wieder auf, damit sie wieder kurz Luft hat. Drei Nächte noch, bis ich wieder komfortabel Schlafen kann.

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