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Geschichten aus dem Motorradsattel

Grünes Band – Tag 4: Hoch hinaus und aber später Nass

Geschrieben von: Mark

Meine neue Luftmatratze geht mir so langsam auf die Nerven. Sie verliert alle paar Stunden Luft. Daher bin ich morgens gegen 07:00 Uhr wach. Erst einmal im Campingstuhl sitzen und sich danach frischmachen. Langsam kehrt Routine in den Morgen. Kaffee kochen, frühstücken, Abbauen und Packen. Wasservorrat auffüllen und dann los – wenn da nicht noch immer der Klönschnack mit den anderen Gästen und den Campingplatzbetreiber wäre: Das Lasti zieht die Blicke auf sich. Ich unterhalte mich mit „Cheffe“ über den Akku und einer Radwanderin mit Tandem über das Handling. Also kommen kommen wir wieder etwas zu spät los.

Ich habe dazugelernt und bin mit Josch das Höhenprofil der Etappe durchgegangen. Mit dem Lasti fahre ich ab jetzt nur noch mit E-Unterstützung, wenn es wirklich nicht anders geht, d.h. nur bei Anstiegen, beim Anfahren oder wenn ich zu Josch aufschließen muss. Außerdem muss habe ich mir ein anderes Schaltverhalten als in der Stadt zugelegt, welches für den E-Motor die Reichweite optimiert. Dies geht besser als erwartet. Und wie ich später noch sehen werde, lohnt es sich.

Es ging gleich mit einem guten Anstieg auf der Landstraße los. Danach geht es immer wieder herauf und herunter. Mir kommt es aber oft so vor als müsste es abwärts gehen, dabei geht es Bergauf – wahrscheinlich optische Täuschungen. und heute immer mit dabei: Ein stetiger Gegnwind. Hierbei purzelt die Restkilometeranzeige in den ersten zehn gefahrenen Kilometern von 150 km herunter auf 75 km. Das fängt ja schon gut an. Dann geht es aber eine lange Strecke langsam bergab und siehe da die Anzeige steigt wieder auf 100 km. Dies beruhigt mich nach dem Szenario von Tag 2 deutlich.

Nach etwa einer Stunde gibt es die erste Pause. Wir essen unsere gekauften belegten Bäckerteilchen und suchen per Smartphone schon einmal den heutigen Campingplatz heraus, bei dem die Etappe aufhören soll. Es soll Irmelshausen sein, da der Campingplatz unmittelbar an einem See liegt und wir endlich mal, nach „Feierabend“ ins kühle Nass springen wollen. Am Telefon sagt man mir es gäbe noch genug Platz und Strom bekommen wir auch.

Während der Etappe halten wir an dem Ort an, wo einmal Bilmutshausen gestanden hat. Übrig geblieben ist nur noch ein Trafo-Haus, der Dorfbrunnen und der kleine Friedhof. Noch ein Dorf, welches wegen des Grenzausbaus dem Erdboden gleichgemacht wurde. Später fahren wir auch an Erlebach vorbei, dem das gleiche Schicksal erging und von dem gar nichts mehr sichtbar ist. Allen Einwohnern wurde vorher ein Ultimatum gestellt und dann zwangsumgesiedelt.

Die nächste größere Pause machen wir am Platz der Dankbarkeit der ebenfalls auf einer Bergkuppe zwischen Gleismuthausen und Poppenhausen liegt. Es ist Halbzeit für heute. Wir liegen gut in der Zeit und beschließen uns einen Kaffee zu machen. Wegen des Windes, braucht der Gaskocher jedoch deutlich länger, bis er fertig ist.

Es gibt noch einen härteren Anstieg zu Beginn des letzten Drittels zu bewältigen, weil uns bei der Fahrt etwas aufgefallen ist: der Bayernturm. Er steht auf 429 Höhenmetern in Zimmerau und wir wagen den Aufstieg in 40m Höhe. Der Ausblick ist toll, aber das Wetter hält sich bedeckt. Die Konstruktion ist schon über 50 Jahre alt und die Holzbohlen des Fußbodens ist nicht sehr vertrauenserweckend. Durch die Spalte kann man direkt nach unten schauen und Einige sind beim darüber Laufen locker.

Weiter gehts. Vor Gompertshausen gibt es noch eine sehr steile Abfahrt. Meine Vorderradbremse hat eigentlich schon genug gelitten. Zum Verständnis – Das Lasti hat Rollenbremsen, welche regelmäßig gefettet werden müssen, wenn sie beim Bremsen anfangen zu quietschen oder sogar blockieren. Bei dieser Tour gab es schon genug Abfahrten bei dem das Bremsenfett so warm geworden ist, dass es aus der Bremse läuft. Dann heißt es erst recht nachfetten.

Danach verdunkelt sich der Himmel und der Gegenwind wird stärker. Nur ungefähr noch 10 km, dann sind wir auf dem Campingplatz. Noch bleibt es noch trocken. Aber als der Platz in Sichtweite kommt geht der Regen los. Egal wir sind gleich da – es wird nur ein Schauer sein. Wir erledigen den Papierkram und besichtigen unseren Platz. Eng eingepfercht zwischen Caravans und Campern – ein seltsame Platzanordnung. Wenigstens ist der Stromkasten gleich daneben. Ich will gerade mein selbstgebautes CEE-Kabel anstöpseln, aber nein, es gibt nur Schuko… von wegen Camping-Standard. Dann eben nur unseren Mehrfachstecker dran und das Lasti noch engeg an den Stromverteiler geparkt. Wir haben gerade die Zelte aufgebaut, als es wieder anfängt zu regnen. Jeder hastet in sein sein Zelt. Es hört auch nicht mehr so richtig auf. Also nichts mehr mit Baden am See. Als es nicht mehr in Strömen regnet, beschließen wir zu duschen. Ein Glück, dass Josch noch 50ct für mich hatte – Duschautomat mit Wasser für 3 Minuten. also ziemliche Zeitpanik bei mir unter der Dusche.

Es ist schon dunkel und der Regen wird schwächer. Trotzdem können wir so nicht, wie bisher vor unserem Zelten kochen. Also ab zu den überdachten Gemeinschafts-Essplätzen, weil sie überdacht sind. Es ist windig und kalt – aber es hat sich gelohnt zwei Kühltaschen mit Lebensmittel und eine Klappbox mit allen Kochutensilien auf der Lasti-Kiste vorgepackt zu haben. Schnell haben wir unsere Gaskocher und Töpfe aufgebaut. Dann gehts ans Gemüse schneiden. Es soll Gemüse-Curry auf Reis geben. Josch und ich teilen die Vorliebe zum Kochen, daher haben wir uns auf der Tour vorgenommen, jeden Abend zu kochen. Als wir fertig sind stellen wir fest, dass es ganz schön große Portionen sind. Wir bekommen sie trotzdem weg. Es war sehr lecker.

Der Tag endet mit gefüllten Bäuchen. Wir müssen jedoch noch spülen. Da fällt uns wieder ein, was auf dem Einkaufsliste gefehlt hatte: Spülmittel. Also heute dann noch mal sehr heiß ohne Spüli spülen. Mit Arbeitsteilung geht es schneller: ich spüle und Josch trocknet.

Da wegen Schlechtwetter der Kiosk schon kurz nach unserer Ankunft geschlossen hatte, gibt es heute kein Feierabendbier. Was solls, durchcden Regen ist uns kalt. Wir kriechen in unsere Zelte.

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