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Geschichten aus dem Motorradsattel

Grünes Band – Tag 1: Die ersten Kilometer

Geschrieben von: Josch

Der Wecker klingelt um 05:00 Uhr morgens. Ich wache auf, schalte ihn aus und drehe mich wieder um.

Der zweite Wecker klingelt um 06:30 Uhr. Dieses Mal komme ich auch tatsächlich auch dem Bett. Die geplante Abfahrt um 07:00 Uhr wird wohl nichts. Als ich die Kaffeemaschine anmache, wird auch Mark wach. Auf das Frühstück muss aus Zeitgründen verzichtet werden. Die Zahnbürste und die voll geladenen Elektrogeräte kommen noch in die Tasche. Während wir alles in den Transporter laden, wird noch mit den Nachbarn geschnackt.

Um 08:30 fahren wir vom Hof. Die ersten 90 Minuten Verspätung für heute. Bis zur Abgabestation vom Transporter haben wir gut 4 Stunden Autobahn vor uns.

Mit ein bisschen Übung komme ich auch besser mit dem großen Fahrzeug zurecht. Einen kleinen Stau nehmen wir mit, aber eigentlich kommen wir ganz gut durch. Das Wetter ist schon fast zu gut zum Fahrradfahren. Wenigstens hat das Auto eine Klimaanlage.

Auf halber Strecke zwischen Magdeburg und Leipzig wird kurz Pause gemacht und das Frühstück nachgeholt. Wir finden auch heraus, was im Kofferraum ständig herum fliegt – so gut wie alles. Die Spanngurte von den Rädern haben sich gelöst und alles ist hin und her gerutscht. Nur das Lasti hält das Gepäck noch halbwegs zusammen. In der Pause ruft Mark beim auserwählten Campingplatz an, der uns aufnehmen würde. Wir müssen nur bis 20:00 Uhr da sein.

In der zweiten Hälfte bekommen wir nochmal 15 Minuten Stop & Go ab, ansonsten geht es weiter wie bisher. Um 13:37 kommen wir an. Der Transporter wird nachgetankt und ausgeladen. Es ist in der Mittagssonne fast 30°C warm. Zu warm eigentlich um Fahrradzufahren. Wir ziehen die Radlerhosen an und schwingen uns aufs Rad, Richtung Dreiländereck. Ab hier sind wir ganz auf uns gestellt. So leicht kommen wir mit dem Lasti nicht mehr nach Hause. Jetzt geht die Tour so richtig los.

Gleich zu Anfang macht uns das Lasti Schwierigkeiten. Nach Route sollen wir durch eine Bahnunterführung mit einer Treppe. Unmöglich mit dem beladenen Schwergewicht. An der nächsten Brücke wird gerade gebaut und ist deshalb nicht passierbar. Nach genug Umwegen finden wir dann doch eine Möglichkeit, nur um später zu merken, dass wir noch einen Bach zwischen uns und der Route haben. Also noch mehr Umwege. Wir brauchen 50 Minuten, nur um aus Hof raus zukommen. Eigentlich hätte der ganze Weg nur eine Stunde dauern sollen. Die nächste Stunde Verspätung für heute.

Endlich aus Hof raus geht’s endlich über Fahrradwege oder leere Landstraßen von einem idyllischen bayerischen Kleindorf zum Nächsten. Hin und wieder ist ein Stück mit vielen Autos dazwischen, aber das ist ok. Auf halber Strecke verliere ich fast einen Flaschenhalter, doch bemerke die lose Schraube noch rechtzeitig.

Am Dreiländereck, wo wir um 16:00 Uhr ankommen, erwartet uns gar nichts so spektakuläres. Ein Stein markiert die Stelle, an dem sich die Länder treffen. Wir machen eine kleine Essenspause und lesen uns alle Info-Tafeln durch. Nachdem ein paar Fotos gemacht wurden und wir einmal in jedem Land waren, geht es weiter.

Wie wir so weiterfahren realisieren wir, dass es hier doch etwas bergiger ist, als gedacht. Auf der Anzeige von E-Bike schwindet die Reichweite schon beim zuschauen. Wir machen uns aber erstmal keinen Kopf drum. Wir schon klappen.

In Mödlareuth stoßen wir auf das erste Freilichtmuseum. Ein kurzer Blick auf die Uhr – es ist mittlerweile 18:00 Uhr – und die restliche Reichweite und es wird klar, dass wir unseren Campingplatz nicht mehr rechtzeitig erreichen werden. Wir versuchen zwei nähergelegene Plätze telefonisch zu erreichen, doch haben beide kein Netz. Wir schauen uns im Schnelldurchlauf die Grenzeinrichtung an und fahren weiter, bis wir wieder Empfang haben.

Der erste Platz möchte uns nicht aufnehmen. Sie hätten kein Personal, um einen Selbsttest zu betreuen. Bei dem zweiten ist das in Ordnung. Wir haben sogar bis 22:00 Uhr Zeit anzukommen. Das scheint uns machbar und wir machen uns auf den direkten Weg dahin.

Die Route führt uns ein ganzes Stück den eigentlichen Grenzweg entlang. Mit den Fahrrädern ganz schön blöd zu befahren, mit den ganzen Löchern zwischen drin. Da werden wir uns wohl drauf einstellen müssen. Wieder auf Straßen, bekommen wir das nächste Problem. Der Akku vom E-Bike ist leer. Mark kann kaum noch eine Steigung fahren. Es bleibt nur schieben. Bei dem starken Anstiegen fahre ich vor und laufe wieder runter, um mitzuschieben. Zum Glück sind es nur noch ein paar Kilometer bis zum Campingplatz.

Etwa 20:45 kreuzen wir dort auf. Strom bekommen wir nicht, aber der Akku darf an der Rezeption geladen werden. Bis wir die Zelte aufgeschlagen haben, ist es bereits dunkel. Danach bekommen wir einen kleinen Schauer ab.

Nachdem wir unser selbstgekochtes Chili verputzt haben, reflektieren wir, was falsch gelaufen ist. Zu spät aufgestanden, die Höhenmeter unterschätzt, die Zeit, die man sich etwas anguckt oder Pause macht, unterschätzt. Die Maßnahme steht schnell: Morgen fahren wir keine 100km. Völlig erschöpft gehen wir in unsere Zelte.

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