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Geschichten aus dem Motorradsattel

Grünes Band – Test-Tour Badersleben im Harz (2/2)

Geschrieben von: Mark

Um 08:00 Uhr bin ich aufgewacht. Erste Erkenntnis: 2,5 Wochen auf dieser ISO-Matte werde ich nicht aushalten, da muss etwas Neues her. Liegt das eventuell an meinem Alter? Das Zelt von Josch ist noch zu, also bleibe ich noch liegen und schaue im Netz nach Nachrichten und nach dem Wetter. Es ist ja noch etwas Zeit, um 10:00 Uhr soll Abfahrt sein. Wir kommen aber an diesem Morgen nicht wirklich in den Quark. Könnte das vielleicht daran liegen, dass wir gestern mit Oli etwas länger ins Glas geschaut hatten?

Die Bilanz der körperlichen Verschleißerscheinungen halten sich bei mir echt in Grenzen, viel besser als erwartet. Ich merke zwar, dass ich gestern was getan habe, aber kaputt fühle ich mich nicht – Das war gestern nach der Ankunft in Badersleben anders.

Mit Zeltabbau, zusammenpacken, duschen und frühstücken kommen wir erst Mittags von Oli los. Josch hat morgens noch eine andere Route herausgesucht, um nicht 1:1 den gleichen Weg zurückfahren zu müssen. Wir verabschieden uns von allen und freuen uns auf das Angebot auf der richtigen Tour erneut im Garten die Zelte aufschlagen zu dürfen. Kurz vor Ortsausgang schon der erste ungewollte Zwischenstopp, da das Gepäck auf dem Träger auf Halbmast hängt. Ich nutze die Zeit um meinen Sattel etwas höher zu machen – mit fatalen Folgen, wie ich später merken werde.

„Schaut euch die Westerburg an, wenn ihr schon einmal da seid“, war Olis Tipp, dem wir als kurzen Zwischenstopp nachgekommen sind, sind wir beide überrascht wie groß und gut erhalten die Burg ist. Danach ging es dann, so wirklich los, auf den Heimweg.

Die ersten 16 Kilometer lassen sich gut fahren. Danach ging es dann hinter Mattierzoll stetig bergauf. Sehr knackig wurde es auf einem Anstieg hinter Klein Biewende. Um 14:00 Uhr nach 30 km haben wir dann die erste Pause gemacht. Die Sonne brennt und wir packen erst einmal, die an Olis Küchentisch geschmierten, Brötchen aus. Beim Stehen bemerke ich ein Ziehen in meinen Achillessehnen – wird wohl Eine Art Muskelkater sein.

Weiter gehts Richtung Wolfenbüttel. Dort fahren wir dann erst mitten durch die Stadt. Erst ab dem 40. km wird es dann wieder grün. Ab jetzt konzentriere ich mich eigentlich nur noch aufs Treten. Erst als ich die Stadtteilschilder mit Braunschweig lese bemerke ich die Schmerzen meiner Achillessehnen. Jedes Mal, wenn wir absteigen, schmerzt es beim Antreten etwas doller. Ironie ist: Der Braunschweig-Fan Josch verfolgt beim Radfahren in Braunschweig das Fußballspiel. Deswegen ist auf den Straßen nichts los. Und trotzdem 0:4 gegen Berlin verloren.

Kurz hinter Woltorf machen wir beim 70. Km noch Mal eine längere Trinkpause. Auf der Strecke nach Hause ist eigentlich Gewitter angesagt und in der Ferne, in die wir müssen, sieht es gar nicht gut aus – dort regnet es definitiv. Naja, da müssen wir durch. Auf der richtigen Tour wird es dies hin und wieder auch geben. Langsam schmerzt, trotz Windelhose, auch mein Hintern. Ich denke: „Nur noch 50 km – Das ist doch zu machen“

Es geht ein gutes Stück durch Peine, also wieder städtische Strecke bis wir endlich wieder auf einem grünen Radweg am Rande des Naturschutzgebiets Fuhsetal entlang führt. Wir scheinen Glück mit dem Gewitter gehabt zu haben. Es hat sich überall vor unserer Durchfahrt abgerechnet – daran zu erkennen, dass alle Wege nass sind. Als wir danach über die Brücke über die A2 fahren verfluche ich den Anstieg und sogleich sehe ich das Schild „Region Hannover“ – Das Sofa ist nicht mehr weit. Ok es sind noch knappe 30 km. In Sieverhausen gibt es endlich eine Bank. Ich muss von den Füßen. Meine Achilles-Sehnen bringen mich noch um. Wir essen unsere letzten Bananen – Vielleicht hilfts.

Meine Kraft in den Beinen schwindet und viel schlimmer – die Restkapazität meines Akkus vom Lasti auch. Am Altwarmbüchener Moor ist dann der Akku leer – und meiner anscheinend auch. Das Lastenrad hat ein Leergewicht von 70 Kilo. Aber jetzt ist es bepackt und muss von mir allein über über einen feuchten Waldweg bewegt werden. Die nächste Bank ist meine. Die restlichen Kilometer werden sicherlich noch Ewigkeiten hinziehen. Da sich Joschs und mein nach-Hause-Weg später sowieso trennen werden biete ich ihm an schon weiter zu fahren – Angebot abgelehnt. Trotz Androhung, dass die nächsten Kilometer von mir nur im Schritttempo zurückgelegt werden können, fahren wir zusammen ziemlich langsam weiter.

Wir müssen noch über zwei Autobahnbrücken und es geht nur über Waldwege. Ich kann eigentlich wirklich nicht mehr – aber ich muss. Irgendwann bin ich über den Punkt. Mir ist alles egal. Die Schmerzen in den Sehnen und der platte Hintern, ich trete in die Pedale und schaffe tatsächlich über längere Distanz Geschwindigkeiten an die 20 km/h – dabei geht es noch nicht einmal bergab. Im Misburger Wald trennen sich unsere Nach-Hause-Wege. Wir machen noch eine kurze Pause und dann verabschieden wir uns.

Jetzt geht es alleine weiter, es sind noch 11 Kilometer. Es geht durch die Stadt und dann durch die Eilenriede. Ich brauche noch einmal eine Pause an der Ampel, wo ich die Eilenriede Richtung Linden verlasse. Zu guter letzt bin ich um 21:00 Uhr zu Hause. Rien ne va plus – Nichts geht mehr. Ich schmeiße die Radtaschen in den Flur und quäle mich die Treppe hoch um noch zu Duschen.

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